"Gott will, dass wir mit ihm reden"

Pfarrer Joachim Wehrenbrecht (l.), Pfarrerin Renate Fischer-Bausch (2.v.l.) und Pfarrer Jochen Remy (r.) begrüßten Prof. Dr. Athina Lexutt (Gießen) als Gastpredigerin.
Pfarrer Joachim Wehrenbrecht (l.), Pfarrerin Renate Fischer-Bausch (2.v.l.) und Pfarrer Jochen Remy (r.) begrüßten Prof. Dr. Athina Lexutt (Gießen) als Gastpredigerin.

Gemeinsamer Festgottesdienst der Nordkreisgemeinden drehte sich ganz um das Gebet - Ausgezeichnete Gastpredigt zu Luthers Verständnis des "Vater unser"

Es war nicht zufällig, dass die Martin-Luther-Kirche in Merkstein für den den Festgottesdienst zum Thema "500 Jahre Reformation" am vergangenen Sonntag ausgewählt wurde. Jedoch gab bei der Wahl des Veranstaltungsortes nicht dessen Name den Ausschlag, sondern vor allem der zur Verfügung stehende Platz in der aus dem Jahr 1931 stammenden Kirche. Schließlich waren Gäste aus allen fünf Nordkreis-Gemeinden eingeladen, um auch die von Pfarrer Jochen Remy angesprochene Einheit der Kirche zu stärken. „Nur gemeinsam werden wir als Stimme in einer zunehmend weniger christlichen Gesellschaft gehört“, sagte er und zirkelte damit auch ein wenig die Zielsetzung ab, warum es einen gemeinsamen Festgottesdienst gab.

Die Martin-Luther-Kirche in Herzogenrath-Merkstein war beim gemeinsamen Festgottesdienst bestens besucht.
Die Martin-Luther-Kirche in Herzogenrath-Merkstein war beim gemeinsamen Festgottesdienst bestens besucht.

"Diese Worte sind der tiefste Ausdruck des Glaubens"

Pfarrer Remy war es auch, der dank seines seit der Studienzeit anhaltenden Kontaktes die Gastpredigt von Prof. Dr. Athina Lexutt, Professorin für Kirchengeschichte in Gießen, ermöglichte. 500 Jahre Reformation, und das Thema des Gottesdienstes – „Gebet – Euer Bestes“ – machten den Festgottesdienst attraktiv. Und so war der vorhandene Platz beinahe bis in den letzten Winkel gefüllt. Was das Thema mit dem Reformator Martin Luther zu tun hat, erläuterte Prof. Lexutt, wobei sie das scheinbar alltägliche Beispiel vom „Vater unser“ nahm, das für Luther eine herausragende Bedeutung hatte. „Für ihn sind diese Worte der tiefste Ausdruck des Glaubens“, so Prof. Lexutt über das „Vater Unser“ in der Bedeutung für Luther. Es war tiefer, ein nachhaltiger Eindruck dieser Worte, der Luther schließlich antrieb, im Jahr 1539 ein Lied daraus zu machen.

Der Martin-Luther-Chor der Evangelischen Kirchengemeinde Merkstein unter Leitung von Chordirektor und Organist Heinz Dickmeis trug alle Lieder vor.
Der Martin-Luther-Chor der Evangelischen Kirchengemeinde Merkstein unter Leitung von Chordirektor und Organist Heinz Dickmeis trug alle Lieder vor.

Liedpredigt zum vertonten "Vater Unser"

Vorgetragen wurde das zum Kirchenlied gewordene Gebet vom Martin-Luther-Chor der Evangelischen Kirchengemeinde in Merkstein unter Leitung von Chordirektor und Organist Heinz Dickmeis. Auch die anderen Lieder - wie beispielsweise „Nun freut euch, liebe Christen-gmein…“, das Kyrie oder auch „Es solle Gott uns gnädig sein“ – stammten von Martin Luther und sorgten so für die klangliche und inhaltliche Klammer. Zentraler Dreh- und Angelpunkt des Gottesdienstes war aber das vertonte „Vater Unser“. Prof. Lexutt legte den Text in einer ansprechenden Art und Weise aus: so wurde immer wieder eine Strophe gesungen, und eine Deutung folgte. Inhaltlich ging es darum, dass die Menschen in ihrer Erwartungshaltung ungeduldig seien. Sie wollen im Grunde nicht, dass Gott einfach nur Gott ist. „Sie wollen ihn erforschen, ihn beweisen, aber nicht bekennen“, so Prof. Dr. Lexutt. Dabei spielen Situationen und Erlebnisse, in denen scheinbar der Silberstreif am Horizont fehle und die Erkenntnis sich durchsetzt, dass es auf der Welt nicht gut ist, eine Rolle. Das versperre den Menschen allerdings den klaren Blick auf die Botschaft Gottes.

Der Chor sang auf der Orgelempore der Martin-Luther-Kirche.
Der Chor sang auf der Orgelempore der Martin-Luther-Kirche.

"Gut, dass wir Worte haben, wenn uns die Worte fehlen"

„Gott will, dass wir mit ihm reden, er will, dass wir ihn ansprechen“, so die Professorin, dabei spiele es allerdings keine Rolle, in welcher Form das Gebet daherkomme. Vielmehr müsse deutlich sein, dass der Mensch bekenne, dass er Gottes Geschöpf ist, und anerkennt, dass Gott der Schöpfer ist. Gott wolle, dass die Menschen sich mit allem, was sie seien, ihm anvertrauen. Und dann könne das heilsame Wort Gottes auch nicht enttäuschen, darum sei das Gebet so wichtig. „Es ist gut, dass wir Worte haben, wenn uns die Worte fehlen“, schloss Prof. Lexutt.

Pfarrer Joachim Wehrenbrecht (l.) klärte im Predigtnachgespräch noch ein paar Fragen der Gottesdienstbesucher an Prof. Dr. Athina Lexutt.
Pfarrer Joachim Wehrenbrecht klärte im Predigtnachgespräch noch ein paar Fragen der Gottesdienstbesucher an Prof. Dr. Athina Lexutt.

Text des "Vater unser" könnte für die Gegenwart angepasst werden

Den Bogen zum großen Reformator schlug nach den Abkündigungen dann Pfarrerin Renate Fischer-Bausch: „Es ist das Thema Luthers, den Gesang zu stärken“. So passte das gesungene Vater Unser sicherlich bestens zum Thema Luther. Und natürlich war die von vielen Gottesdienstbesuchern als ausgezeichnet bewertete Predigt von Prof. Lexutt noch Thema im Predigtnachgespräch. Pfarrer Joachim Wehrenbrecht ging hier gemeinsam mit der Professorin noch einigen Fragen der Gottesdienstbesucher auf den Grund. Zum Beispiel ging es dabei um den Punkt, ob das „Vater Unser“ noch den Charakter des allbekannten Gebetes habe. Hier regte Prof. Lexutt an, den Text für die Jetztzeit anzupassen, zu übersetzen. Und sie ging auch darauf ein, dass manche Menschen das Leid gerne auf Gott abwälzen würden. „Wir vergessen gerne, auf uns selbst zu gucken“, schloss Prof. Lexutt, „es ist natürlich leichter, Gott anzuklagen, als uns selbst auf die Bank zu setzen."


(Text und Bilder: Markus Bienwald)

 

 

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