„Wäre das nicht etwas für euch!?“

Einfach heiraten: Ursula Thelen und Erich Bruß aus Alsdorf sagen "Ja" zur kirchlichen Trauung - Paare können jetzt reservieren oder spontan vorbeikommen am Freitag, 26.6.26

„Einfach heiraten.“ Beim Ostergottesdienst fiel Ursula Thelen in der Kirche dieses Plakat ins Auge. „Wäre das nicht etwas für euch!?“, wollte sie von ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn wissen. Die zunächst als Scherz gemeinte Frage an das standesamtlich verheiratete junge Paar wurde elegant erwidert: „Und was ist mit euch?“ Denn auch Ursula Thelen und ihr Mann Erich Bruß sind bereits seit einigen Jahren verheiratet, ebenfalls ohne eine kirchliche Trauung. Zurück zu Hause wurde kurz überlegt. Die recht einsilbige Antwort von Erich Bruß steckt dennoch voll tiefster Liebe und Zuneigung: „Ja!“ Am 26. Juni wird nun eine Doppelhochzeit gefeiert.

351 Orte in ganz Deutschland stehen zur Auswahl

Für den Freitag mit dem leicht zu merkenden Datum 26.6.26 hat die Evangelische Kirche in Deutschland das Motto „Einfach heiraten“ ausgerufen. Die kirchliche Trauung ist an diesem Tag bewusst kürzer und einfacher gestaltet als sonst – ohne dabei an Bedeutung zu verlieren. Wer möchte, kann sich für Trauung oder Segen vorab einen Termin buchen. Ebenso ist es möglich, spontan vorbeizukommen und „einfach“ zu heiraten. Aktuell sind auf der zentralen Internetseite https://einfachheiraten.info/ 351 Orte in ganz Deutschland registriert, die an der Aktion teilnehmen. Auch im Kirchenkreis Aachen ist die Trauung an diesem Tag in fünf Kirchen möglich: in der Annakirche in Aachen, der Finkenbergkirche in Stolberg, der Evangelischen Kirche Vorweiden in Würselen-Broichweiden, der Evangelischen Kirche Monschau und der Evangelischen Kirche Hellenthal.  

"Ich wollte eigentlich immer noch kirchlich getraut werden..."

„Wir haben 2018 in der Abtei Rolduc geheiratet und gefeiert“, berichtet Erich Bruß. Gerne hätte das evangelische Paar an diesem Tag auch eine kirchliche Trauung gefeiert. „Aber dies war in der Klosterkirche nicht möglich“, bedauert der 71-Jährige, der 25 Jahre als Küster der Evangelischen Gemeinde in Heiligenhaus gearbeitet hat und der Liebe wegen nach Alsdorf zog. „Meine ehemalige Chefin hat uns dann während der Feier den Segen gespendet“, blickt er zurück. „Ich wollte eigentlich immer noch kirchlich getraut werden“, fügt Ursula Thelen hinzu. Mehrfach schon hatte sie von der Aktion „Einfach trauen“ gehört und gelesen. Die 66-Jährige freut sich, dass ihr Mann „Ja“ gesagt hat, ein zweites Mal „Ja“ zu sagen. Und dass auch Tochter und Schwiegersohn dabei sind. Um 15 Uhr und 15.30 Uhr werden beide Paare nun vor dem Altar der Kirche in Vorweiden stehen.

Kirchliche Trauung als Zeugnis der Liebe

„Die Aktion war der Auslöser, sie hat den Anstoß gegeben. Ich möchte bestätigen, dass ich noch ganz viele Jahre mit meiner Frau zusammenleben möchte“, sagt Erich Bruß. Beide wollen mit der kirchlichen Trauung auch Zeugnis ablegen. „Ich bin religiös erzogen worden, ich lebe die Werte, die ich im Elternhaus vermittelt bekommen habe“, sagt Ursula Thelen. „Es wird leider immer weniger so gelebt, dass man seinen Glauben auch offen zeigt. Es sind immer weniger Menschen, die der Kirche angehören“, bedauert Erich Bruß, der in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen ist und erst nach dem Ende der DDR und der Wiedervereinigung mit Religion in Kontakt gekommen ist. „Das Wichtigste ist für mich neben dem Glauben der soziale Zusammenhalt, das soziale Kümmern“, erklärt der 71-Jährige. Als Küster und Gemeindemitglied habe er stets Gemeinschaft erleben können. Verbindendes statt Trennendem.

Nach der Trauung Sommerabend im Kreise der Familie

Kennengelernt haben Ursula Thelen und Erich Bruß sich im Internet. Bei einem ersten Treffen in Alsdorf passte und funkte es, wie er mit einem Schmunzeln erzählt. Also packte Erich Bruß seine Koffer in Heiligenhaus und zog nach Alsdorf, wo er noch einige Jahre bis zu seiner Pensionierung als Küster arbeitete. Wenn am 26. Juni die kirchliche Trauung gefeiert wird, geschieht dies klein. Deutlich kleiner als bei der Hochzeit 2018. „Wir möchten mit der kirchlichen Trauung die damalige Feier nicht toppen“, betont das Paar. Auch Geschenke nehmen sie nicht an. Nach den beiden Trauungen wird es einen gemeinsamen Sektempfang für Verwandte, Freunde und Bekannte geben, anschließend laden die beiden Paare zu einer Grillfeier ein. Ein schöner Sommerabend im engsten Kreis der Familie.

Interaktive Karte mit allen teilnehmenden Orten online

Alle Informationen zur Aktion „Einfach heiraten“ gibt es auf der Internetseite: www.einfachheiraten.info. Dort steht eine interaktive Karte bereit, auf der alle teilnehmenden Orte vermerkt sind. Die Uhrzeiten für mögliche Zeitslots in den Kirchen sind unterschiedlich und finden sich auf der Internetseite. Auf der Seite gibt es außerdem viele Antworten zu Fragen rund um die kirchliche Trauung und Segnung, die Paare und Gäste sich zu diesem Tag stellen. Die kirchliche Trauung oder Segnung ist selbstverständlich kostenlos. Alle Angebote wie Musikauswahl, Fotomöglichkeiten, verschiedene Räumlichkeiten oder sogar Sektempfang vor Ort sind überall unterschiedlich. Stöbern Sie gerne auf der Seite und sprechen Sie die genannten Kontaktpersonen an.

(Text: Stephan Johnen)

Präses Dr. Thorsten Latzel segnet am 26. Juni Paare in Aachen

„Ich finde die Aktion #einfachheiraten sehr gut, weil sie liebenden Menschen nicht zuerst mit Hürden und Formularen begegnet, sondern mit Gottes Segen“, betont Dr. Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Viele Paare lebten heute sehr verschiedene Formen von Partnerschaft – und trügen eine tiefe Sehnsucht nach Segen, Begleitung und Beistand in sich. „Als evangelische Kirche wollen wir gerade dort präsent sein: nah bei den Menschen, hörend, ermutigend, segnend.“ Der rheinische Präses unterstützt die Aktion deshalb sehr gern und wird am 26. Juni 2026 von 16 bis 18 Uhr in der Aachener Annakirche auch selbst Paare segnen bzw. im Fall einer vorherigen standesamtlichen Eheschließung trauen. „Denn Gottes Liebe gilt allen Liebenden – nicht erst dann, wenn alles perfekt arrangiert und monatelang vorbereitet ist. Sie geht unserer Liebe voraus, begleitet und stärkt sie. Und manchmal braucht es genau solche niedrigschwelligen Formen des Segens, um die Hürden gemeinsamer Liebe zu bewältigen“, so der Präses. „Kirche ist ein Ort, wo Menschen Hoffnung, Vertrauen und Segen erfahren.“ Genau dafür stehe die Aktion #einfachheiraten.
 

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