Rückblick auf die euregionale ökumenische Konferenz

Anregender Tag in Aachen zum Thema: "Boomer bis Generation Alpha – Vertrag oder Konflikt?" - Herzogenrather Schüler diskutierten mit - Lösungen können nur im Miteinander liegen

Pfarrer Marc F.P.J. Heemels, Dozent für biblische Exegese beim Grootseminarie Rolduc in den Niederlanden, zeigte anhand von biblischen Personen verschiedene Aspekte auf, wie sich Generationen in der Bibel zueinander verhalten. Da werden Erzählungen von der älteren an die jüngere Generation durchgegeben, Väter und Mütter geben ihren Söhnen und Töchtern Wissen, Normen, Werte, Kultur und Rituale weiter. Dabei geht es nicht einfach um eine Reproduktion. Biblische Pädagogik bedeutet eine Erziehung, die den Kindern die Kunst zu leben vermittelt und ihnen weitergibt, was in der Welt von Bedeutung ist. Aber jede Generation muss sich selbst und wieder neu zu der Geschichte und der Offenbarung Gottes verhalten, sich die Überlieferungen persönlich aneignen und selbst eine Entscheidung treffen. Die Bibel kennt auch einen Generationenkonflikt, wenn prophetische Stimmen auftreten und das Althergebrachte und Erstarrte mutig und engagiert in Frage stellen. Eines der beiden hebräischen Wörter für Generation (Dor) lässt auch an einen Kreis denken. Es geht nicht nur um eine Richtung, sondern um eine Weitergabe von Traditionen in einem Beziehungsgeflecht. Alle Lebenden bilden letztendlich in Abgrenzung zu den Toten eine gemeinsame Generation: Wir sprechen gemeinsam als eine Generation z.B. das Gebet „Vater unser im Himmel“. Mehrere Bibelstellen zeigen zudem, dass wir eine gemeinsame Vision haben und brauchen.

Was ist generationengerecht?

Prof. Dr Liane Schirra-Weirich, bis 2026 Professorin für das Lehrgebiet Soziologie an der Katholischen Hochschule NRW, Abteilung Aachen, analysierte anhand einer aktuellen Statistik die zahlenmäßige Entwicklung der Generationen von Boomer bis Alpha. Von Generation zu Generation werden die Zahlen kleiner und damit die Herausforderungen größer, Indikatoren für eine Generationengerechtigkeit neu festzulegen. Dies bedeutet Indikatoren für die ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit sowie institutionelle und politische Rahmenbedingungen neu zu definieren in dem Bewusstsein, dass heute Entscheidungen getroffen werden, die die Lebensqualität und die Chancen der zukünftigen Generationen sichern oder gefährden. 

Als Maßstab dient der Art. 2 Abs. 2 des Grundgesetzes, der die Sicherung der Grundrechte für alle beinhaltet. Schirra-Weirich nannte mehrere Gerechtigkeitsprinzipien, die sich z.B. an Gleichheit, Bedarf, Leistung und Chancen orientieren. Jede Generation hat ihre zeitbedingten Herausforderungen und muss die Prinzipien neu verhandeln. Damit eine Verständigung der Generationen über Gerechtigkeitsindikatoren und -prinzipien gelingen kann, müssen das Senioritätsprinzip und Majoritätsprinzip außer Kraft gesetzt werden und alle an der Willensbildung und am Entscheidungsfindungsprozess beteiligt werden. Schirra-Weirich stellte dazu als Anregung die Gerechtigkeitstheorie des Philosophen John Rawls vor, die davon ausgeht, dass alle Menschen gleiche unveräußerliche Grundrechte haben. Mit der Methode „Schleier des Unwissens“ kann der Mensch sich von sich selber und seinem Egoismus loslösen und sich so um eine gerechte Lösung bemühen - unabhängig von dem Wissen, welche soziale Position man selbst einnimmt. 

Diskussion mit Schülern aus Herzogenrath

Hans Schleicher-Junk und Anne-Christin Hochgürtel stellten in einer Arbeitsgruppe die Generationsbrücke vor, „das erste generationenverbindende Sozialunternehmen Deutschlands“, das gut vorbereitete Begegnungen zwischen jungen und alten pflegebedürftigen Menschen initiiert und fördert. So besuchen Kinder aus Kindertagesstätten und Schulen Altenpflegeeinrichtungen, wo bereichernde Begegnungen stattfinden. Dadurch wachsen persönliche Beziehungen zwischen den Generationen. Die Generationsbrücke fördert so das Zusammenleben der Generationen. Mit der Jugendreferentin des Kirchenkreises Aachen, Christina Pütz, und zwei Abiturienten der Maria-Sibylla-Merian-Gesamtschule in Herzogenrath, Leon Franke und Jayden Zimmermann, gab es einen engagierten und bereichernden Austausch auf Augenhöhe zwischen den Generationen. Anhand aktueller Fragen u.a. zu Nachhaltigkeit, Rente, Chancen, Pflege und Wehrdienst wurden Sorgen und Hoffnungen ausgetauscht. Deutlich wurde: die Fragen lassen sich nur gemeinsam bearbeiten. 

Dabei war man sich in der Arbeitsgruppe einig, dass das nur funktioniert, wenn die Generationen aufeinander hören, sich einander Raum geben und voneinander lernen. Es sollte verpflichtend sein, sich mit den anderen Generationen zu beschäftigen, sagte einer der jüngeren Vertreter in der Arbeitsgruppe. Ältere Generationen müssten zudem Möglichkeiten eröffnen, dass junge Menschen sich einbringen können. Gerade die Schüler betonten, dass Dialog und Zusammenhalt förderlicher seien als Abgrenzung und Konflikte. 

 

Kirchengemeinden als Orte generationsübergreifender Begegnung

Die Euregionale Ökumenische Konferenz hat gezeigt, dass es gelingen kann, dass Generationen aufeinander hören und voneinander lernen. Ein Fazit der Arbeitsgruppe lautete: Das Zusammenleben der Generationen müsste viel mehr gepflegt und eingeübt werden. Kirchen und Gemeinden können dabei eine Rolle spielen. Sie sollten und können generationsübergreifende Begegnungen und für alle offene Projekte ermöglichen, um den Zusammenhalt der Generationen zu fördern. Das generationsübergreifende Gespräch war nicht nur eine Bereicherung für alle, sondern stimmte zuversichtlich, dass es gelingen kann, sich gemeinsam den Herausforderungen unserer Zeit zu stellen.

Pfarrerin Bärbel Büssow

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