Mit Menschen vor Ort Gemeinde entwickeln
„Sie haben nicht einfach nur einen Gottesdienst mitgestaltet, sondern alles selbst übernommen vom Schreiben der Gebete und Fürbitten bis zum Segen.“ Wenn Rebecca Sahm-Stollewerk vom Gottesdienst ihrer Konfirmand*innen-Gruppe erzählt, dann wird sofort ihre Leidenschaft für diesen Teil ihrer Tätigkeit deutlich, schwingen Stolz auf die Jugendlichen und ihre eigene Begeisterung ihrer Stimme mit. Seit vergangenen Sommer ist sie als Vikarin in der Lydia-Gemeinde Herzogenrath tätig. Begonnen hat sie ihre Ausbildungszeit im April zunächst mit dem Schulvikariat an der Käthe-Kollwitz-Schule in Aachen, ehe es im Anschluss in den Gemeindedienst ging, wo sie noch bis September 2027 bleiben wird. Mit den Prüfungen zum zweiten Examen endet dann das Vikariat.
Bis auf die Zeit in der Schule und Praktika in der Krankenhaus- und Seniorenheimseelsorge ist sie als Vikarin fest in der Herzogenrather Gemeinde, genauer im Pfarrbezirk ihrer Mentorin Pfarrerin Renate Fischer-Bausch in Merkstein. "In der ersten Zeit läuft man mit. Im zweiten Teil der Ausbildung soll man viel selbst machen und entwickeln“, berichtet sie. Den Input dazu bekommen sie und ihre Kolleginnen und Kollegen im Seminar für pastorale Ausbildung in Wuppertal, wo die einzelnen Themen ihres Vikariats in regelmäßigen Wochenblöcken mit viel Praxisbezug bearbeitet würden. „Das ist so aufgebaut, dass wir das Gelernte im Anschluss in der Gemeinde anwenden sollen.“ Will heißen, steht Homiletik (Predigtlehre) auf dem Stundenplan, dann heißt das für Rebecca Sahm-Stollewerk für einen der nächsten Gemeindegottesdienste eine Predigt vorzubereiten und zu halten.

(Foto: Andrea Thomas)
Von Konfi-Gottesdienst bis Predigen - Im Laufe ihrer Vikariats-Ausbildung übernimmt Rebecca Sahm-Stollewerk immer mehr Aufgaben.
Gemeindeentwicklung als ein Arbeitsschwerpunkt
Den Berufswunsch Pfarrerin zu werden hatte sie schon mit acht Jahren, erzählt die gebürtige Bielefelderin. “Ich war ein Kindergottesdienstkind, das mit Begeisterung alles mitgemacht hat“, sagt sie und schmunzelt. Der Berufswunsch änderte sich auch nicht als sie erwachsen war. „Ein sozialer Beruf war mir wichtig, bei dem ich mit Menschen aller Generationen zu tun habe. Der Glaube war außerdem immer wichtig für mich und ein Teil meines Lebens.“ Der Entschluss, nach dem Theologiestudium in den Gemeindedienst zu gehen, stand daher von Anfang an fest. In die Evangelische Kirche im Rheinland und hier in den Kirchenkreis Aachen, ist Rebecca Sahm-Stollewerk über die Liebe gekommen. Ihr Mann hat seit vergangenem Jahr eine Pfarrstelle in der Christusgemeinde Alsdorf-Würselen-Hoengen-Broichweiden. Die Möglichkeit ihr Vikariat in Herzogenrath zu machen, habe da perfekt gepasst, zumal sie sich auf Anhieb gut mit ihrer Mentorin verstanden habe.
Renate Fischer-Bausch unterstütze sie sehr und lasse ihr, wie alle in der Lydia-Gemeinde, viel Freiraum für eigene Ideen, wie den erwähnten Gottesdienst im Rahmen der Konfi-Arbeit. Die ist einer der Teilbereiche, der ihr derzeit besonders viel Spaß macht. Ein weiterer ist, auch mit Blick auf ihre eigene und die Zukunft, die Gemeindeentwicklung. „Kirche wird sich verändern müssen.“ Nur so könne sie lebendig und für Menschen relevant bleiben. „Unsere Botschaft ist gut und sie ist auch nach über 2000 Jahren noch aktuell“, sagt Rebecca Sahm-Stollewerk voller Überzeugung. Worauf es ankomme, sei es Formate zu entwickeln, die Menschen ansprechen, rauszugehen, zu den Menschen sowie den Diskurs über Glaubensfragen nicht zu scheuen. „Das wird eine wichtige Aufgabe von Pfarrer*innen in der Zukunft sein, zu vermitteln was und auch wie wir glauben, denn Glaube bedeutet Vielfalt, aber nicht Beliebigkeit. Wir werden den Menschen erklären müssen, warum der Glaube immer noch relevant ist und warum er für jede*n wichtig werden kann.“

(Foto: Andrea Thomas)
Zu ihren Aufgaben gehören auch die Übernahme von Taufen oder Trauungen.

Foto: Andrea Thomas
Im Rahmen der Aktion "einfach heiraten" hat Rebecca Sahm-Stollewerk ihre erste Trauung.

(Foto: Rebecca Sahm-Stollewerk)
Piet, der Pfarrhausdrache
Piet erklärt, wie evangelisch geht
Ein neues Format, das sie begeistert hat und bei dem sie unbedingt aktiv mitwirken wollte, war „einfach heiraten“ am 26. Juni. Das hat ihr neben ganz vielen guten Erfahrungen und Eindrücken auch ihre erste Trauung beschert. Nicht nur für das Paar ein besonderer Moment, sondern auch für sie. Mit dabei war an diesem Tag auch „Piet, der Pfarrhausdrache“, eine grüne Drachen-Handpuppe, mit der Rebecca Sahm-Stollewerk seit einiger Zeit einen eigenen Instagram-Kanal (piet_der_pfarrhausdrache) bespielt. Piet erzählt (nicht nur) Kindern aus dem Alltag im Pfarrhaus, erklärt kirchliche Feste wie Ostern oder Pfingsten, wie bestimmte Dinge in der evangelischen Kirche funktionieren (zum Beispiel, was ein Talar ist) und begleitet seine „Mama“ immer wieder bei der Arbeit. Die Idee dazu sei aus einem Workshop im Rahmen der Ausbildung entstanden, mache viel Spaß und komme bei den Teilnehmenden ihres Seminars gut an. An ihren Followern arbeiten die beiden noch.
Piet wird sie sicherlich auch über ihr Vikariat hinausbegleiten. Wie es dann weitergeht, weiß sie noch nicht, aber sie würde gerne ins Gemeindepfarramt gehen, erklärt sie. „Es wäre schön, eine Gemeinde zu finden, wo ich meine Schwerpunkte einbringen und mit den Menschen vor Ort entwickeln kann.“
(Text: Andrea Thomas)
